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Trinkwasserhygiene

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Biofilme in Trinkwasserinstallationen - Die wissenschaftlichen Erkenntnisse

Von Natur aus ist Trinkwasser auch in Deutschland weder keim- noch bakterienfrei.

Darstellung Legionellenbefund in Immobilien

 

Erkenntnisse aus dem BMBF-Verbundprojekt „Biofilme in der Trinkwasser-Installation."

1. Alle wasserbenetzten Oberflächen sind von Biofilmen besiedelt 

Der Biofilm ist die Wohnanlage von Mikroorganismen. Es ist ein komplexes System, dass das Überleben und die Vermehrung von Mikroorganismen sichert. Mehr als 95% der Mikroorganismen in den Wasserleitungen befinden sich geschützt im Biofilm. Nur ein Bruchteil schwimmt frei im Wasser. Der Biofilm beinhaltet Brutstätten, in denen neue Mikroorganismen heranwachsen und dann schwallartig ins Wasser übergehen können. Je größer der Biofilm, um so größer die Gefahr, dass eine große Menge pathogener Mikroorganismen ins Trinkwasser übergehen kann. Unter praxisnahen Bedingungen beginnt sich bereits nach 4 Stunden stehendem Leitungswasser auf fabrikneuen Werkstoffen der Biofilm zu bilden. Bereits nach 1 bis 2 Wochen ist der Biofilm in allen Leitungsabschnitten vollständig ausgebildet, der nach weiteren 6 bis 10 Wochen (je nach Werkstoff und Nährstoffkonzentration im Wasser) bei allen im Verbundprojekt untersuchten Werkstoffen, Wasserbeschaffenheiten und Temperaturen einen mehr oder weniger stationären Zustand erreicht. Das sind die Erkenntnisse aus dem BMBF-Verbundprojekt „Biofilme in der Trinkwasser-Installation".

2. Risiko durch Biofilm. Es können zwei Hauptrisiken festgestellt werden:

Gesundheitlich: Im Biofilm können sich unter anderem pathogene Mikroorganismen befinden. Diese können beim Menschen Unwohlbefinden bis hin zu Krankheiten verursachen, wie z.B. Lungenentzündung, Sepsis etc. 

Technisch: Biofilm kann Rost (Biofouling) in wasserführenden metallischen Leitungen, Sprinkleranlagen, Heizsystemen, Warmwasserspeicher etc. verursachen. Man spricht hier von mikrobiologisch induzierter Korrosion.

3. Einflussfaktoren zur Begünstigung von Biofilmwachstum*:

  • Nährstoffe im Trinkwasser (z.B. Amöben, Phosphate)
  • Nährstoffabgabe der Werkstoffe
  • Wasserhärte
  • Wassertemperatur
  • Wasserflussgeschwindigkeit bzw. Wasserstagnation
  • Thermische Desinfektion
  • Chemische Desinfektion
  • Zustand und Eigenschaften der Wasserleitungen (Alter, Risse, Rost, Verkalkung etc.) 

Wie sehr einer der oben genannten Faktoren bei der Biofilmbildung mitwirkt, hängt von den anderen Faktoren ab.

* Erkenntnisse aus dem BMBF-Verbundprojekt „Biofilme in der Trinkwasser-Installation."
Projektdauer: 01.10.2006–30.04.2010 | 5 Forschungspartner, 17 Industriepartner | Koordination: Prof. Dr. Hans-Curt Flemming,
IWW Mühlheim, Moritzstraße 26, 45476 Mühlheim Biofilm Centre, Universität Duisburg-Essen, Universitätstr. 2, 45141 Essen

https://de.wikipedia.org/wiki/Biofilm